Gespräch der Emotionen

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“Ich möchte anderen Sex”, sagte die Neugier.

“Wie, anderen Sex?”, fragte die Vorsicht.

“Eben anderen, ich möchte Abwechslung”, antwortete die Neugier.

“Juhu, Abwechslung…”, jubelte die Leidenschaft.

“Ist das nicht gefährlich?”, fragte die Vorsicht.

“Wieso gefährlich”, rief die Leidenschaft, “das wäre geil, ich hätte endlich wieder mehr zu tun!”.

In diesem Moment meldeten sich die Augen. “Wie sehen ein entzückendes weibliches Wesen direkt auf uns zu laufen”.

“Wir hören eine entzückende weibliche Stimme”, ergänzten die Ohren.

“Bekomme ich Arbeit?”, fragte die Erregung aus dem Untergrund und auch die Leidenschaft hüpfte fröhlich auf und ab.

“Alle in Alarmbereitschaft, wer weiß, was das ist!”, bellte die Vorsicht, nur niemand hörte auf sie.

“Wir spüren zärtliche weibliche Hände auf uns”, meldeten die hoch sensiblen Hautzellen.

Mit einem Satz hatte die Erregung ihren Untergrund verlassen und auch die Leidenschaft begann zur Hochform aufzulaufen.

“Oje, oje, das endet böse”, jammerte die Vorsicht.

Die Neugier war längst aktiv geworden. Sie hatte sich mit dem Tastsinn und dem Geruchssinn verbündet und erkundete, dabei alles um sich herum vergessend, das entzückende weibliche Wesen.

“Siehst wenigstens Du hier die Gefahren, alle anderen sind ja irre geworden”, wandte sich die Vorsicht an die Aufmerksamkeit.

“Welche Gefahren, hier sind keine Gefahren, nur Lust und Freude”, erwiderte die Aufmerksamkeit in ihrer ruhigen, bedächtigen Art.

Während die Neugier, die Leidenschaft und die Erregung sich nach Herzenslust austobten und sich dabei mit ihren Schwestern des weiblichen Körpers verbündeten, um Lust und Freude zu potenzieren, schmollte die Vorsicht in ihrer Ecke. Selbst die seelische Einsamkeit, die ihr zunächst noch Gesellschaft geleistet hatte, war aufgestanden.

“Wohin möchtest Du denn?”, hatte die Vorsicht mit trauriger Stimme gefragt.

“Ich möchte mit das Schauspiel zumindest mal ansehen, so fröhlich, so lustig wie es klingt, kann es nicht gefährlich sein”. So stand die seelische Einsamkeit am Rande, bis die Erregung sie einfach an die Hand nahm. “Mitmachen ist schöner, komm…” lachte sie und zog die seelische Einsamkeit einfach in den Trubel.