Sebastian Fitzeks “Noah” — ein etwas anderer Thriller

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Ist der Facebook-Chef ein Wohltäter, wenn er 99% seiner Aktien des eigenen Unternehmens in eine gemeinnützige Stiftung überführt? Ist Bill Gates mit seiner milliardenschweren Stiftung und seinem sozialen Engagement ein guter Mensch, der die Welt verändern will? Hat die Allianz-Versicherung plötzlich ein soziales Gewissen, weil sie aus der Finanzierung der Verarbeitung fossiler Brennstoffe aussteigt?

Sie verstehen diese Fragen nicht? Dann haben Sie den Thriller “Noah” von Sebastian Fitzek nicht gelesen. Denn diese Fragen entstanden in meinem Kopf nach der Lektüre dieses Buches, das mich nachdenklich und grübelnd auf der Couch zurückliess, nachdem ich die letzten Zeilen gelesen habe.

Zugegeben, es ist ein etwas anderer Fitzek. Ein wenig Psychothriller, überraschende Wendungen, falsche Fährten, auf die der Autor seine Leser lockt. Also alles wie immer? Nein! Fitzek nimmt sich in “Noah” ein hochbrisantes und sehr aktuelles Thema vor. Wie werden 9 Milliarden Menschen auf der Erde satt? Gibt es wirklich eine geheime Weltregierung wie die Bilderberger? Werden die Menschen bewusst mittels Chemikalien manipuliert und sind verheerende Seuchen wirklich nur eine Laune der Natur?  Fitzek spielt auf seine eigene, einzigartige Weise mit realen Fakten und mischt diese mit einer brutalen, nervenzerfetzenden Fiktion.

Milliardäre als Wohltäter, ist dies möglich? Oder verfolgen die Herren in den eleganten Massanzügen ganz eigene, hinterhältige Pläne und täuschen mittels der ihnen hörigen Medien die gesamte Weltbevölkerung? Fitzek entwirft in “Noah” eine bedrohliche, düstere Welt, in der nichts ist, wie es scheint. Und er bezieht reale Fakten, Umweltverschmutzung, Massenpsychosen, Elendsvierte und Slums, Massenverdummung und die Manipulation auch seiner Protagonisten mit ein. Das macht den Reiz dieses Buches aus. Der Leser wird in eine ihm bekannte Welt entführt, die doch so ganz anders erscheint, als er sie kennt. Genial verknüpft Fitzek reale Fakten und Fiktion zu einer Handlung, die auch das eigene Nachdenken anregt. Dabei ist das Buch kein Aufklärungsbuch, sondern ein harter Thriller, eben doch wieder ein echter Fitzek.

Bemerkenswert ist das Nachwort des Berliner Autors, in dem dieser offen über seine eigenen Gedanken schreibt. Auch der Star des deutschen Thrillers lebt schließlich in der Realität und macht sich so seine Gedanken um das Leben. In diesem, sehr nachdenklichen letzen Teil des Buches offenbart Sebastian Fitzek auch seine eigene Ratlosigkeit über den gegenwärtigen Zustand der Welt.

“Noah” ist ein unbedingt empfehlenswertes Buch, das sich tief in das Gedächtnis gräbt und den Leser auch lange nach dem Lesen noch verstört und grübelnd zurücklässt.